Dieses interdisziplinäre Drittmittelprojekt geht in Kooperation mit der Universität zu Köln folgenden Fragestellungen nach: Welche Beschäftigungsperspektiven haben sich im Onlinehandel nach der Pandemie entwickelt, durch welche Faktoren werden sie beeinflusst und welche Handlungsoptionen lassen sich hieraus für die Akteure in der Region Köln ableiten? Eine Hauptthese der (auch empirischen) Untersuchung ist dabei, dass die Corona-Pandemie sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite zu einer massiven Beschleunigung der Digitalisierung des Einzelhandels geführt hat, hierbei verschiedene Tätigkeitsbereiche erheblich an Bedeutung gewonnen haben und neue Beschäftigungschancen geschaffen wurden. Hierbei entstanden sowohl attraktive als auch prekäre Arbeitsplätze. So zeichnet sich der Onlinehandel auf der einen Seite durch abwechslungsreiche und anspruchsvolle Berufsfelder aus, in denen zahlreiche Akademiker und Auszubildende gesucht werden. Zudem bietet die Branche für gering Qualifizierte Beschäftigung, z. B. als Kurierdienstleister oder Lageristen, und kann somit integrierend wirken. Auf der anderen Seite zeichnen sich aber gerade auch Kurier- oder Lagertätigkeiten oft durch problematische Arbeitsbedingungen aus. Zudem zeigen sich oft Diskrepanzen zwischen aktuellen Beschäftigungspraktiken im Onlinehandel (z. B. bzgl. der Arbeitsverträge und Vergütung) und einer auf diese neuen Praktiken noch nicht eingestellten Gesetzeslage und Umsetzung. Allein aufgrund der Aktualität dieser noch laufenden Entwicklungen ist das Thema noch unterforscht. Gleichzeitig besitzt das Thema in Köln mit seinem sehr hohen Anteil an Beschäftigten im Einzelhandel (aber auch deutschlandweit) eine besondere gesellschaftliche Relevanz. So geht es hierbei nicht nur im engeren um Arbeitsplätze im Onlinehandel, sondern auch um die Grundthematik, wie Menschen in Zukunft im Kontext der Digitalisierung arbeiten werden. Vor diesem Hintergrund ergeben sich nicht nur arbeitsorganisatorische, sondern auch räumliche und juristische Fragestellungen. Die Zusammenführung der unterschiedlichen Forschungsperspektiven aus Wirtschaftsgeographie und geographischer Handelsforschung sowie Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht sowie Personalmanagement stellt hierbei einen innovativen und problemorientierten interdisziplinären Zugang dar.
Ziele des Projekts sind somit:
– Eine systematische, differenzierte Darstellung der unterschiedlichen Perspektiven und Problembereiche.
– Die Ableitung von Erklärungsansätzen, unter welchen Bedingungen bestimmte Integrations- und Prekarisierungsentwicklungen auftreten.
– Die Darstellung von Handlungsoptionen für Arbeitgeber, Arbeitnehmervertretungen und Politik.