Die Flut im Ahrtal 2021 hat auch vier Jahre später noch weiterhin sichtbare Schäden
hinterlassen, insbesondere am kulturellen Erbe der Region. Das Cologne Institute of
Conservation Sciences (CICS), Studienrichtung Konservierung und Restaurierung von
Schriftgut, Grafik, Buchmalerei und Fotografie der TH Köln, erhielt nach der Flut eine
Vielzahl beschädigter Objekte. Darunter befanden sich etwa 150 durchwässerte und
verschlammte Akten, Fotografien, Landkarten und alte Pläne aus einem Planschrank des
Ruhr Museums Essen. Zusätzlich kamen historische Protokoll- und Kassenbücher aus dem
19. Jahrhundert vom Museum „Haus der Schützen“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler hinzu.
Besonders dramatisch war der Zustand einzigartiger historischer Dokumente wie der
Gründungsurkunde aus Pergament des Heilbades Bad Neuenahr aus dem Jahr 1858
(Pataki-Hundt, 2023).
Schlamm stellt eine besondere Bedrohung dar, da er schnell verhärtet und die Reinigung
dadurch zeitkritisch und komplex wird. Bei Papier, Fotografien, Pergament, Leder und Textil
dringt Schlamm tief in die Faserstruktur ein. Solange der Schlamm noch nass oder feucht ist,
kann ein sofortiges Auswaschen bei einigen Objektgruppen möglich sein. Ist dies nicht
möglich, gilt als bewährte Methode das Einfrieren von Kulturgut aus Papier, um Bakterienund
Schimmelbildung zu vermeiden. Eine anschließende Vakuumgefriertrocknung (Woithe,
2005) gilt als etablierte Methode zur Rettung wassergeschädigter Kulturgüter. Dabei wird das
gefrorene Material in eine Vakuumkammer gebracht, wo durch Druckreduzierung die
Sublimation des Eises in Wasserdampf ermöglicht wird. In Fällen von Großkatastrophen ist
es mitunter unmöglich, unmittelbar zu agieren, dann muss oft improvisiert werden. Daher
wurden mobile Arbeitsräume in Form von Containern zur Erstversorgung entwickelt (Thiel et
al., 2022) oder es wurde das Projekt „KulturGutRetter” ins Leben gerufen, in dem
multifunktionale Rettungsmodule entwickelt wurden (Vollmer-Bardelli, 2023). Trotzdem gibt
es noch zahlreiche schlammbelastete Objekte, die Restaurator*innen noch viele Jahre
beschäftigen werden und wo nach ressourcenschonenden Methoden gesucht werden muss.
Das hier eingereichte Projekt zielt darauf ab, ein effizientes und kostengünstiges
Reinigungsverfahren für schlammbelastete Kulturgüter zu entwickeln und zu standardisieren.
Dabei soll eine Airbrush-Technik mit mikrokristalliner Cellulose (MCC) wissenschaftlich
evaluiert, modifiziert und für verschiedene Materialtypen optimiert werden. In dem Projekt
sollen auch weitere Strahlmittel in Kombination mit verschiedenen Lösemitteln untersucht
werden. Die experimentellen Ansätze umfassen eine systematische Materialprüfung
verschiedener MCC-Typen und -Konzentrationen (Mintrop, 1997, S. 39), eine
mikroskopische Dokumentation der Reinigungsergebnisse durch Oberflächenanalytik wie der
3D-Profilometrie und spektroskopische Evaluierung der Ergebnisse. Zusätzlich werden
Materialverträglichkeitsprüfungen zur Bewertung der Auswirkungen auf verschiedene
Kulturgutmaterialien durchgeführt und quantitative Effizienzanalysen der Reinigungsleistung
erstellt. Die Standardisierung erfolgt durch die Erstellung reproduzierbarer Probekörper,
vergleichbarer Arbeitsabläufe und die Definition von Bewertungskriterien für
Reinigungsergebnisse. Eine umfassende Dokumentation aller Verfahrensschritte sowie die
Entwicklung von Schulungsunterlagen für die Praxis runden das methodische Vorgehen ab.